Emotionen und Märkte
„Wissen allein verändert selten das Verhalten.“
- George Loewenstein
F3.
Finanzmärkte lösen oft starke Emotionen aus. Warum fällt es Anlegern so schwer, ruhig zu bleiben, selbst wenn sie es eigentlich besser wissen?
Die Kluft zwischen Wissen und Handeln gehört zu den grössten Rätseln der Verhaltenswissenschaft. Die meisten erfahrenen Investoren wissen, dass sie in Phasen hoher Volatilität diszipliniert bleiben sollten und doch gelingt es nur wenigen . Der Verhaltensökonom George Loewenstein spricht hier vom „hot–cold empathy gap “: Wenn wir ruhig und rational sind (cold state), unterschätzen wir, wie stark Emotionen in einem hot state, also unter Angst oder Euphorie, unser Verhalten beeinflussen. Wir glauben, in einem Börsencrash gelassen zu bleiben, doch sobald Verluste real werden, übernehmen Emotionen das Steuer.
Märkte verstärken diesen Effekt auf mindestens drei Arten:
- Dopamin-gesteuerte Belohnungssysteme werden durch ständige Rückmeldungen aktiviert, ähnlich wie beim Glücksspiel.
- Verluste schmerzen stärker als Gewinne erfreuen (loss aversion).
- Investieren ist sozial, ständige Vergleiche mit Benchmarks oder Peers halten das emotionale Niveau hoch, unabhängig von der absoluten Performance.
Diese emotionalen Reaktionen umgehen oft den bewussten Verstand. Daher setzen erfolgreiche Strategien weniger auf reine Aufklärung, sondern auf strukturelle Schutzmechanismen – etwa, Portfolios seltener zu überprüfen oder vordefinierte Entscheidungsregeln zu aktivieren, wenn bestimmte Bedingungen eintreten. So schützen sich Anleger vor ihren eigenen Impulsen.